The Granny Project: Helga (85)

The Coronavirus pandemic is impacting the global population in drastic ways. In many societies, older people are particularly vulnerable as they face a significant risk of developing severe illness when they contract the virus. We often talk about the elderly these days, but we don't hear from them. How do they experience these uncertain times? What can we learn from them?


Spread stories, not the virus collects their stories as part of 'The Granny Project'. Read our first story, and we hope you'd like to join us to share the story of your grandparent(s) or other elderly people you know.


This story can be read in both German and English (the texts are presented in parallel, English in turquoise).


Helga, 85 Jahre alt, aus Bad Vilbel bei Frankfurt teilt ihre Erfahrungen aus dem Lockdown, die Lehren und Chancen aus der Corona-Krise und wie & ob sie vergleichbar ist mit anderen Krisen des letzten Jahrhunderts. Geführt wurde das interview von ihrem Enkel, Niklas, Mitte Mai 2020.


Helga, 85 years old, from Bad Vilbel near Frankfurt shares her experience from the lockdown, the lessons and opportunities from the corona crisis and how & whether it is comparable to other crises of the last century. Her story is shared by her grandson, Niklas, mid-May 2020.


Wie gehst du mit du mit dem Coronavirus – dem Lockdown und den sozialen & gesundheitlichen Konsequenzen um?

Ich werde bald 86 Jahre alt und habe einen hohen Blutdruck und muss mich in Acht nehmen. Aber das ist noch kein Grund das ich mich verkrieche. Ich habe in den ersten Wochen jede Woche mindestens drei Bücher gelesen (jetzt nicht mehr, jetzt habe ich mal Sendepause). Außerdem habe ich ein Haus und ein Garten wo ich alles allein mache, also sehr viel Arbeit. Also mir schon hin und wieder die Decke auf den Kopf gefallen, aber dann habe ich mich mit Fernsehen, Büchern und Telefon drüber hinweggetröstet. Am schlimmsten war es das ich meine Enkel nicht mehr knuddeln konnte.


How do you deal with the Coronavirus - the lockdown and the social & health consequences?

I will soon be 86 years old and have high blood pressure. So I have to be careful. But that's no reason to hide away and crawl into a hole. I read at least three books every week for the first few weeks - now not anymore, now I have a break. I also have a house and a garden where I do everything myself, so that’s a lot of work. Now and then I am a bit overwhelmed, but then I consoled myself with television, books and telephone. The worst thing was that I could no longer hug my grandchildren.

'The worst thing was that I could no longer hug my grandchildren'

Wie kommunizierst du denn gerade mit deiner Familie und mit deinen Freunden?

(Lachend) Mit meinen Freunden über den Gartenzaun oder per Telefon. Da ist ein Freund, hier ist ein Freund. Wir sind hier eine verschworene Gemeinschaft in der Nachbarschaft. Wir tauschen uns hier immer aus und haben jetzt einen jungen Mann gefunden, der uns dann auch ab und zu aushilft.


Helga's home in Bad Vilbel

How are you communicating with your family and friends right now?

(Laughing) With my friends here over the garden fence or by phone. There is a friend here, there is a friend there. We are a sworn community in this neighbourhood. We always chat with each other here and have now even found a young man who helps us out from time to time.


Gehst du immer noch einkaufen?

In den ersten Wochen hat mich meine Familie versorgt. Mittlerweile gehe ich mit Mundschutz einkaufen da ich ja noch gut laufen kann. Meinen neuen Rhododendron habe ich mit dem Einkaufsroller durch die ganze Stadt nach Hause getragen. Ansonsten gehe ich meistens früh einkaufen, vor Acht Uhr, da sind die Läden und die Stände leer.

Do you still go for shopping?

During the first few weeks my family supported me. Nowadays I go shopping with a face mask because I can still walk well in comparison to my friends. I carried my new rhododendron home with the shopping cart through the whole city. Otherwise, I usually go shopping early, before eight, when the shops and market stands are still empty.


Siehst du eine Veränderung in Solidarität und Nachbarschaftshilfe hier bei dir?

Wir sind hier in einer glücklichen Ecke – Wir sind hier fünf Witwen und wir unterhalten und helfen sich gegenseitig. Vermitteln uns gegenseitig Hilfe, wenn wir was brauchen. Auch die Bewohner von den Hochhäusern sind sehr zuvorkommend und fragen immer ob sie was mitbringen können. Wir wohnen ja schon 40 Jahre hier und das ist alles zusammengewachsen. Die Häuser sind hier alle ungefähr zur gleichen Zeit entstanden. Als ich vor ein paar Wochen ins Krankenhaus musste wegen meinem Herz haben sich alle Nachbarn erkundigt haben angerufen und Hilfe angeboten. Gerade in so Zeiten ist das schon wichtig. Man passt auf sich gegenseitig auf hier. Wir haben hier keine Probleme mit der Nachbarschaft.

Do you see a change in solidarity and neighbourhood help here with you?

We are in a good area here - we are five widows here and we entertain and help each other. Help each other out when we need something, anything. The residents of the high-rise buildings around here are also very accommodating and always ask if they can bring anything. We've been living here for 40 years and the everything has grown together over these years. The houses here were all built around the same time. When I had to go to the hospital a few weeks ago because of my heart, all the neighbours asked about my wellbeing and offered help. This is particularly important in times like these. You take care of each other here. We have no problems here in the neighbourhood.

'The trick is not to get upset about things that you can't change'

Kannst du der jüngeren Generation was erzählen über die Krise und wie man damit umgehen kann?

Ich habe in letzter Zeit, und nach dem der Eddie gestorben ist, mir ein dickes Fell zugelegt. Ich nehme nicht mehr alles so wichtig und rege mich halt auch selten auf über Sachen, die ich nicht ändern kann. Ich habe ein dickeres Fell gekriegt – auch schon vom Krieg her. Wir haben damals ja unter Trümmern gesteckt.

Can you tell the younger generation something about the crisis and how to deal with it?

I've developed a thick skin, after Eddie (her late husband) died. I don't take everything as serious any longer. The trick is not to get upset about things that you can't change. I developed a thick skin – also because of the war (WWII). At that time, we lived amongst the ruins and the rubble.


Das ist auch die nächste Frage, Angela Merkel hat gesagt das die Corona Krise die größte Herausforderung seit dem 2. Weltkrieg ist, würdest du da zustimmen?

Die ersten paar Jahre nach dem 2. Weltkrieg waren schlimmer. Wir hatten damals in den ersten Wochen nach dem Krieg kaum was zu Essen. Wenn wir nicht bei den Bauern untergekommen wären, die uns damals geholfen haben gegen Gegenleistungen - meine Mutter hat mitgeholfen, genäht, gekocht – da sind wir mit durchgefüttert worden. Unsere Bauern, bei denen wir untergekommen waren, sehr sozial und waren sehr mitfühlend, auch weil sie einen Sohn hatten der erst 1949 aus Russland zurückgekommen ist. Also richtig hungern mussten wir zum Glück nicht, aber bekommen hat man ja nicht alles. Mit 100 gram Fett für eine Woche pro Familie kommt man nicht weit. Das würde man heute an einem Tag verbrauchen.

That's the next question, Dr. Angela Merkel said that the corona crisis is the biggest challenge since World War II, would you agree?

The first few years after World War II were worse. Back then, we hardly had anything to eat in the first weeks after the war. If we hadn't stayed with the farmers who helped us back then we wouldn’t have anything to eat. In return my mother helped, sewed, cooked - we were fed. The farmers we stayed with were very social and compassionate, also because they had a son who didn't come back from Russia until 1949. Luckily, we didn't really have to go hungry, but you couldn’t get everything. You won't get very far with 100 grams of fat for a week per family. That would be consumed in one day today.


Picture credit: Unsplash


Und in der zweiten Hälfte des 20ten Jahrhunderts, gabs da vergleichbare Krisen zu der Krise heute?

Die Kubakriese, die war schlimm. Da war ich schwanger mit meiner Tochter und war noch berufstätig bis zu der Geburt. Da hatten wir streckenweise auch Angst. Zum Glück ging das ja gut, aber wir hatten streckenweise Angst das jetzt die Atombomben kommen. Aber das ging ja glücklicherweise gut aus.


Wir hungern ja jetzt nicht glücklicherweise. Aber für ältere Leute war das heftig nicht zum Arzt gehen zu können. Aber ansonsten hat uns doch außer, dass man nicht rauskonnte, nichts gefehlt. Und ich muss sagen genug Platz habe ich ja hier im Garten. Halb so wild also, die Zeit nach dem Krieg war schlimmer, allerdings war ich da noch ein Kind. Das letzte Kriegsjahr war heftig da haben wir eigentlich nur im Keller gesessen. Und danach, in Oberhessen, wären wir glatt verhungert wären wir nicht bei den Bauern untergekommen. Da haben wir Äpfel gesammelt, die abgefallen sind, haben Ähren gelesen und zu der Mühle gebracht im Tausch gegen Mehl. Mein Vater war sehr geschickt und hat den Bauern geholfen gegen Naturalien.


Also es ging einigermaßen, aber meine Tante, die in der Stadt gewohnt hat, hatte viel Hunger bis die Währungsreform kam 1948. Es war schlimmer, heute kann man es ja einigermaßen aushalten. Fernsehen guck ich zurzeit nicht, geht ja immer nur um Corona. Aber gelesen habe ich – manchmal bis 3 Uhr nachts bis ich eingeschlafen bin, bei Büchern die spannend waren.

'I don't watch TV at the moment, it's all about Corona'

And in the second half of the 20th century, were there comparable crises to the crisis today?

The Cuban-missile-crisis was bad. I was pregnant with my daughter and I was still working until her birth. At times we were also afraid. Fortunately, that went well, but at times we were afraid that the atomic bombs would come. Fortunately, that went well. We aren’t going hungry in this crisis. But for older people it is hard not being able to go to the doctor. But apart from that we don’t lack anything. And I have to say I have enough space here in the garden.


So, it’s not that bad – the time after the war was worse, but I was still a child. The last year of the war was hard because we were just sitting in the basement. And after that, in Upper-Hesse, we would have starved without having stayed with the farmers. We collected apples that had fallen off, collected grains of wheat and brought them to the mill in exchange for flour. My father was very skilful and handy and helped the farmers against natural goods. It was okay, but my aunt, who lived in the city, was very hungry until the currency reform came in 1948.


It was worse, today you can endure it to some extent. I don't watch TV at the moment, it's all about Corona. But I read thrilling books - sometimes until 3 a.m. until I fell asleep.


Hast du was Neues gelernt zurzeit generell und bezogen auf Digitales?

Mit digitalen Dingen, Computer etc. bin ich eine totale Niete (lacht). Aber ich find es prima das die jungen Leute jetzt auch von zuhause arbeiten können. Das hat bestimmt viel geholfen. Aber ich denke das die Schulkinder nicht viel gelernt haben über den Computer – die müssen ganz schöne Lücken haben, die Schulkinder. Zumal ja nicht alle Computer haben, die die finanziell schlecht gestellt sind, können sich ja keinen Computer leisten zum Lernen. Also mein normales Telefon, das reicht, ich bin nicht überzeugt davon das ich mit so einem Smartphone klarkommen würde.

Have you learned anything new at the moment generally and related to digital?

With digital things, computers, etc. I'm a total slouch (laughs). But I think it's great that the young people can now also work from home. That has helped a lot. But I think that the schoolchildren have not learned much about the computer - they probably have to have a lot of learning-gaps, the schoolchildren. Especially since not all people have computers – the financially less-well off cannot afford computers to learn. So I just use my normal phone, that's enough, I'm not convinced that I would be able to handle such a smartphone (laughs).


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